19 Mar 2008 @ 12:42 AM 

Weil ich mich gestern über die neue Kampagne Runter vom Gas unterhalten habe, hier mal ungefähr die Hauptgedanken die ich danach hatte:
- Jeder Verkehrstote und Verletzte ist einer zuviel!
- Die Kampagne hat 3 Millionen Euro gekostet.
- Wiegt der Nutzen den Preis auf?

Jetzt kann man diskutieren ob man auf einen Verkehrstoten weniger durch die Kampagne einen Preis ansetzen darf oder nicht, aber ich gehe da anders dran.

verkehrstote

Quelle: Statistisches Bundesamt

Es kommen pro Jahr also ca. 5.000 Menschen um’s Leben. Im Vergleich dazu mal die Zahlen von Suizid:

suizide

Quelle: Statistisches Bundesamt PDF

Wie man sehen kann ist die Rate der Suizidopfer ungefähr doppelt so hoch wie die der Verkehrsopfer, sinkt jedoch seit den 1980er Jahren ab.

Wäre es da nicht auch effizienter gewesen, das Geld in Telefonseelsorge und Aufklärungskampagnen für Depression zu stecken? Denn die vollendeten Suizide machen etwa 10% der Versuche aus, man schätzt also auf ca. 100.000-150.000 Suizid-Versuche.

Neben unangepasster Geschwindigkeit machen auch Alkohl und Drogen am Steuer etliche der Unfalltoten aus. Doch der Grossteil muss tatsächlich der Geschwindigkeit angerechnet werden! Für mich daher durchaus ein Grund, die Kampagne nicht als nutzlos anzusehen. Vielleicht ist die Machart nicht nach meinem Geschmack und trifft auch kaum die hartgesottenen Raser, aber besser als nichts ist sie allemal.

Ich finde es nur schade, dass hier mit der Angst der Menschen das Ziel erreicht werden soll. Sicher, manchmal muss man die Leute auch vor den Kopf stossen, aber ich glaube das ist hier ein wenig misslungen. Gottseidank ist die Kampagne allerdings auch nicht so heftig wie in den USA, Stichwort Jacqueline Saburido (ich werde an dieser Stelle keinen Link zu ihrer Kampagne posten).

Vielleicht ist es manchmal einfach besser einen “Denk”-Zettel zu verteilen, als einen “Straf”-Zettel:


Andi schaute kurz noch einmal auf sein Tacho, bevor er langsamer wurde: 79 innerhalb einer Ortschaft. Das vierte mal in gleicher Anzahl von Monaten.Wie konnte ein Typ denn so oft erwischt werden? Als er sein Auto auf 10 km/h abbremste fuhr Andi rechts ran. Der Polizist, der Ihn angehalten hatte stieg aus seinem Auto aus, mit einem dicken Notizbuch in der Hand. Christian? Christian aus der Kirche? Andi sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel. Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. Einen Typen, der etwas angespannt war, nach einem langen Tag im Büro. Einen Typen, der morgen Golf spielen wollte. Als er aus seinem Auto sprang erblickte er den Polizisten, den er jeden Sonntag in der Kirche sah. Er hatte erst nur den Mann in Uniform gesehen.
“Hi Christian. Komisch, daß wir uns so wieder sehen!”
“Hallo Andi.” Kein Lächeln.
“Ich sehe Du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen.”
“Ja, so ist das.” Christian, der Polizist schien unsicher zu sein.
“Ich bin die Tage erst sehr spät aus dem Büro gekommen. Ich denke auch, daß ich die Verkehrsregeln nun mehr als einmal gebrochen habe.”
Andi war nervös und ungeduldig. ” “Verstehst Du, was ich meine ?” “Ich weiß, was Du meinst. Ich weiß auch, daß Du soeben ein Gesetz gebrochen hast.”
Aua. Dies geht in die falsche Richtung. Zeit die Taktik zu ändern.
“Bei wieviel hast Du mich erwischt?”
“Siebzig. Würdest Du Dich bitte wieder in Dein Auto setzen?”
“Ach Christian, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort auf den Tacho geschaut, als ich Dich gesehen habe! Ich habe mich auf 65 km/h geschätzt!” Andi konnte mit jedem Strafzettel besser lügen.
“Bitte Andi, setz Dich wieder in Dein Auto.”
Genervt quetschte Andi sich durch die noch immer offene Türe. Ein Knall. Türe zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett. Christian war fleißig am schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte Christian nicht Führerschein und Papiere sehen? Was auch immer der Grund war,
es würden einige Sonntage vergehen, bis er sich in der Kirche wieder neben diesen Polizisten setzen würde. Christian klopfte an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Andi öffnete das Fenster, maximal 5cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Christian gab ihm den Zettel durch. “Danke.” Andi konnte die Enttäuschung nicht aus seiner Stimme halten. Christian setzte sich wieder ins Auto ohne ein Wort zu verlieren. Andi wartete und
schaute durch seinen Spiegel zu. Dann faltete er den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten? Hey! Warte mal! War das ein Witz? Dies war kein Strafzettel.
Andi las:
“Lieber Andi, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten, der Typ ist zu schnell gefahren. Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder liebhaben. Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht diesem Mann zu vergeben. Tausend Mal habe ich gedacht, ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muß immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich. Und sei bitte vorsichtig, Andi. Mein Sohn ist alles was ich noch habe. Gruß Christian”
Andi drehte sich um und sah Christians Auto wegfahren. Er fuhr die Straße wieder runter. Andi schaute bis er nicht mehr zu sehen war. Erst ganze 15 Minuten später fuhr er langsam nach Hause. Er betete um Verzeihung und zu Hause angekommen nahm er seine überraschte Frau und Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest. Das Leben ist so wertvoll. Behandle es mit Sorgfalt. Dies ist eine sehr wichtige Nachricht, bitte gib sie weiter an alle anderen Freunde.
Fahr vorsichtig und mit Verständnis anderen gegenüber. Vergiß nie, Autos kann man wieder kaufen – so viele man will. Menschenleben aber ….

Fahrt vorsichtig!

Posted By: hamena314
Last Edit: 31 Dec 2008 @ 10:05 AM

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Responses to this post » (2 Total)

 
  1. seppl says:

    die kamagne an sich mag in ordnung sein. aber es geht mir zu weit, wenn mir das amt ein ticket über 10€ schickt. nur weil ich in einer mit stationärblitzer versehenen wildwechselzone ausserorts, in der 100m vor dem blitzer auf gerader, eingezäunter, leitplankenbewährter strecke auf 60 eingebremst werden muss. das is die vorstufe zum tunnel – was bitte soll da noch wild-wechseln können? es is ganz offensichtlich eine im planungswahn ausgeartete steuerverschwendung, nur um ortsunkundigen dort für 5km/h zu viel 10€ abzknöpfen.
    das an sich ist für mich nicht nachzuvollziehen. schlimmer, und das ist der punkt, der mich an der kampagne wirklich stört, ist der schriftzug auf dem brief:
    “runter vom gas” und auf der rückseite der völlig aus dem zusammenhang gerissene hinweis auf die 5000 toten, woran ich dort ausserorts wirklich keinerlei anteil haben kann. das grenzt an öffentlichen pranger, wenn sowas auf dem kouvert steht. ich kann doch als arzt auch keine briefe mit werbung oder anderen kampagnen drauf verschicken – was würde die kirche für einen aufstand machen, wenn auf briefen mit den aphoteken-heften für die alten leute werbung für kondome, zum schutze vor aids wäre?!
    das amt könnte die steuerbescheide dann auch gleich als drucksachen offen versenden…

  2. Sandra says:

    Wow, dass du dich mit der Thematik so auseinander gesetzt hast.
    Echt klasse!
    Respekt dafür.

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