Hardware oder Software? Was ist denn wirklich defekt?

Es gibt 3 Berufsgruppen, die auf einer Party

    niemals

sagen dürfen, was sie beruflich machen:

- Ärzte
- Juristen
- Informatiker

Ärzte müssen sich sonst dauernd das anhören: “Ich hab da so ein Ziehen im Rücken …”.
Bei Juristen klingt das so: “Der Hund von meinem Nachbarn macht immer auf den Rasen. Kann ich ihn verklagen? Also den Nachbarn?”
Und … nunja … Informatiker hören immer wieder: “Oh! Mein XY ist kaputt. Kannst du das nicht mal reparieren?”

Ich verweise inzwischen schon nicht mehr auf das was Edsger Wybe Dijkstra formulierte „In der Informatik geht es genauso wenig um Computer wie in der Astronomie um Teleskope”, sondern ergebe mich meinem Schicksal und helfe. Seine Arbeitsumgebung (Computer) in Ordnung halten zu können kann ja auch nicht schaden.

Zu Weihnachten besuchte ich meine Eltern, deren Rechner etliche Probleme hat. Er fror mitten in der Arbeit ein, manchmal auch im Ruhezustand.
Bluescreens (wohlgemerkt auf den relativ stabilen Windows 7) passiert öfters mal, ebenso startete der Rechner garnicht oder hängte sich im Reparaturmenü auf.

Also schnell Linux per Live-USB gestartet und mal einen Virenscanner (ja die gibts auch unter Linux … ClamScan z.b.) drüberlaufen lassen der auch einiges fand. Vermutlich über spassige Büro-EMail Anhänge kamen die Dinger auf den Rechner.
Doch auch unter Linux gabs Freezes und Neustarts – ganz zu schweigen davon dass Linux erst nach langer Zeit überhaupt starten wollte.

Wenn also ein Betriebssystem nicht mehr geht und ein weiteres, das aus dem RAM arbeitet, dann möchte man doch denken dass wohl Hardware defekt ist. Vielleicht die Festplatte, oder gar die Hauptplatine.
Also unter Windows gestartet (dauerte ne halbe Stunde) und sämtliche Festplatten-Testtools benutzt die ich finden konnte.
Seltsamerweise ergab KEINES davon auch nur irgendein Problem. Die Datenrate stimme, keine Ausfälle oder defekte Sektoren…

Nachdem ich alle Daten gebackupped und auf Viren untersucht hatte, formatierte ich den Rechner und spielte die alten Daten wieder ein.
Doch kurze Zeit später hatte der Rechner wieder die gleichen Probleme wie zuvor! Das deutet also ebenfalls wieder auf defekte Hardware hin.

Bevor ich die Hardware näher in Augenschein nahm, untersuchte ich die Daten und wurde fündig:
Die Viren haben vermutlich einige Dateinamen oder Dateirechte so beschädigt, dass Windows damit nicht mehr umgehen konnte. Einige Dateien enthielten 800 Zeichen lange Dateinamen. Diese Daten entfernte ich von der Festplatte und aus sämtlichen Backups und tadaa, bis heute keine Freezes mehr.

Ich vermute dass entweder die Daten selbst unter dem alten Windows aufgerufen wurden und den Rechner störten, oder dass der Virenscanner in unregelmässigen Abständen die Daten gescanned und dabei den Absturz verursacht hat.

Auf jeden Fall gibt es wiederkehrende Muster für Probleme mit Rechnern. Ich kann nicht für jedes Problem eine Schritt-für-Schritt Anleitung geben, aber man kann selbst schaun wie man sich so eine Liste macht, wenn man häufiger mit diesen Problemen zu tun hat.

Wenn ein Rechner wild neustartet, Probleme hat, etc. … dann sollte man zuerst mal ein Live-USB Linux System verwenden. Gibt es hier ebenfalls die gleichen Probleme, so rückt ein Hardware-defekt eher in den Fokus, vor allem wenn man keinerlei Daten auf der Festplatte verwendet.
Oder kurz gesagt, am besten sucht man nach einem Weg das Problem auf Hardware oder Software einzuschränken.

Bei Netzwerken gilt das ebenso. Funktioniert mal wieder nichts, einfach mal zuerst ein anderes Kabel anschliessen, einen anderen Rechner testen usw.

Ein zielgerichtetes Vorgehen kann viel Zeit sparen!

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